28 Februar 2012
27 Februar 2012
Nie wieder
„Ähm, könnten Sie bitte Ihren Hund aus meinem Gesicht nehmen?“ „Aber der ist doch total niedlich. Guck mal, ein Welpe!“ „Mag sein, aber ich habs nicht so mit Hunden in meinem Gesicht.“ „Ja aber der ist niedlich und noch so klein. Frauen stehen doch auf kleine Hunde. Und das ist einer. Und der ist klein. Und der hat Hunger. Hast du Geld? Willst du mir nicht welches geben. Damit ich ihm was zu essen kaufen kann?“ „Äh, zum einem ist der Hund immer noch in meinem Gesicht und zum anderem: Nein!“ „Warum nicht? Du hast bestimmt Geld dabei. Der Hund hat Hunger. Los, kauf dem was!“
Schön. Ich stehe an der Straßenbahnhaltestelle und warte auf meine Bahn. Warum ich nicht im Bahnhof stehe und auf meinen Zug warte, kann ich in diesem Moment nicht mehr verstehen. Die Bahn kommt erst in vier Minuten. Vier lange Minuten mit einem Hund im Gesicht und einem viel zu großen Mann vor mir, der es nicht einsieht, den da weg zu nehmen. Herrlich. Das hab ich jetzt also davon. Davon dass ich auf meine zwei Freunde gehört habe. Die die immer zu mir gesagt haben, ich wäre zu verschlossen. Zu grimmig. Zu unsozial. Man würde sich gar nicht an mich ran trauen. Das soll sogar so weit geführt haben, dass einer der beiden fast zwei Jahre gebraucht hat, um mich anzusprechen. Um dann mit einem „Was willst du Vogel denn von mir!?“ abgefertigt zu werden. Ich gebe zu, besonders nett mag das nicht gewesen sein. Aber ich habe mir auch viel erspart. Damals hatte ich keine Hunde im Gesicht. Und überhaupt steh ich hier nur und warte auf die Bahn, weil ich mich hab breitschlagen lassen. Zu einem „Komm, lass uns doch mal gemeinsam was trinken gehen“. Das war ja auch im ersten Moment ziemlich niedlich, das von den eigenen Schützlingen gefragt zu werden. Aber ich habe die Folgen nicht bedacht. Folge Nummer eins: Ich werde jetzt für einen Freund gehalten. Folge Nummer zwei: Ich fühle mich furchtbar alt. Denn das Treffen lief so ab, dass ich in einer megahippen Cocktailkneipe zwischen einem Haufen 18-Jähriger lande. Ich muss also registrieren, dass Cocktails wieder in sind, ich aber keine Ahnung davon habe. Den letzten Cocktail habe ich, selber 18 Jahre alt, in Köln getrunken ohne das ich jetzt noch wüsste was das war. Mein Blick schweift über die 8-Seiten lange Karte und bleibt nach zehn Minuten doch bei dem hängen was ich kenne. Beck‘s. Auf dem Tisch stehen nachher also ein Beck‘s und zehn bunte Cocktails mit glitzernden Schirmchen und in Formen ausgeschnittenen Obstscheiben. Ich werde komisch angeguckt und dann kleinlaut nach meinem Alter gefragt. Anscheinend ist Bier trinken heute eher asozial oder alt. Besser wird es nicht, als man mir sagt, ich könne mich doch noch als jung einschätzen, nachdem die Generation Smartphone mein Alter gegoogelt hatte. Ich hätte doch ein Glas Wein nehmen sollen. Mist. Aber am Bier kann man sich gut festhalten. Was im Laufe des Abends nötig ist. Denn mit den meisten Themen kann ich noch nichts oder nichts mehr anfangen. Nein, mein erstes Auto hatte ich im Gegensatz zu euch allen noch nicht. Natürlich weiß ich, dass ihr alle mal euren Doktor macht. Ohne ist man ja heute nichts mehr. Und ach ja, natürlich habt ihr Recht. Meine Heimat ist ein furchtbares Nest, in dem man sich vor Rechtsradikalen nicht retten kann. Natürlich, ist es prima, dass ihr, endlich volljährig, euch mal so richtig volllaufen lassen könnt. Macht es doch am besten gleich vor mir. Und erzählt mir dann ganz peinliche Sachen,die ich besser nicht wissen sollte. Natürlich. Ach schade, mein Bier ist alle. Ich muss mich aus dem Staub machen. Besser jetzt als später. Das wird mir sonst zu peinlich hier. Zurück zur Bahnhaltestelle, zum Zug, zu meinem Fahrrad, nach Hause. Und da der Abends so schon so schön war, gibt es noch ein Schmankerl oben drauf. Denn nachts halb zwölf sind so einige Gestalten unterwegs in der Großstadt. Und der eine hält einem wieder Hunde ins Gesicht, um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, andere spucken einen einfach gelassen an. Mitten auf die neuen Schuhe, als wäre es das Normalste auf der Welt und ein ganz schlichtes Recht. Und wenn ich den jetzt anhalloe und ihn darauf aufmerksam mache, dass er mich getroffen hat, zieht er gleich nochmal eine ganze Ladung die Nase hoch. Nö. Ehrlich, das war einfacher, als ich noch nicht nett war.
Der Titel ist gemopst bei Michael Ende
Schön. Ich stehe an der Straßenbahnhaltestelle und warte auf meine Bahn. Warum ich nicht im Bahnhof stehe und auf meinen Zug warte, kann ich in diesem Moment nicht mehr verstehen. Die Bahn kommt erst in vier Minuten. Vier lange Minuten mit einem Hund im Gesicht und einem viel zu großen Mann vor mir, der es nicht einsieht, den da weg zu nehmen. Herrlich. Das hab ich jetzt also davon. Davon dass ich auf meine zwei Freunde gehört habe. Die die immer zu mir gesagt haben, ich wäre zu verschlossen. Zu grimmig. Zu unsozial. Man würde sich gar nicht an mich ran trauen. Das soll sogar so weit geführt haben, dass einer der beiden fast zwei Jahre gebraucht hat, um mich anzusprechen. Um dann mit einem „Was willst du Vogel denn von mir!?“ abgefertigt zu werden. Ich gebe zu, besonders nett mag das nicht gewesen sein. Aber ich habe mir auch viel erspart. Damals hatte ich keine Hunde im Gesicht. Und überhaupt steh ich hier nur und warte auf die Bahn, weil ich mich hab breitschlagen lassen. Zu einem „Komm, lass uns doch mal gemeinsam was trinken gehen“. Das war ja auch im ersten Moment ziemlich niedlich, das von den eigenen Schützlingen gefragt zu werden. Aber ich habe die Folgen nicht bedacht. Folge Nummer eins: Ich werde jetzt für einen Freund gehalten. Folge Nummer zwei: Ich fühle mich furchtbar alt. Denn das Treffen lief so ab, dass ich in einer megahippen Cocktailkneipe zwischen einem Haufen 18-Jähriger lande. Ich muss also registrieren, dass Cocktails wieder in sind, ich aber keine Ahnung davon habe. Den letzten Cocktail habe ich, selber 18 Jahre alt, in Köln getrunken ohne das ich jetzt noch wüsste was das war. Mein Blick schweift über die 8-Seiten lange Karte und bleibt nach zehn Minuten doch bei dem hängen was ich kenne. Beck‘s. Auf dem Tisch stehen nachher also ein Beck‘s und zehn bunte Cocktails mit glitzernden Schirmchen und in Formen ausgeschnittenen Obstscheiben. Ich werde komisch angeguckt und dann kleinlaut nach meinem Alter gefragt. Anscheinend ist Bier trinken heute eher asozial oder alt. Besser wird es nicht, als man mir sagt, ich könne mich doch noch als jung einschätzen, nachdem die Generation Smartphone mein Alter gegoogelt hatte. Ich hätte doch ein Glas Wein nehmen sollen. Mist. Aber am Bier kann man sich gut festhalten. Was im Laufe des Abends nötig ist. Denn mit den meisten Themen kann ich noch nichts oder nichts mehr anfangen. Nein, mein erstes Auto hatte ich im Gegensatz zu euch allen noch nicht. Natürlich weiß ich, dass ihr alle mal euren Doktor macht. Ohne ist man ja heute nichts mehr. Und ach ja, natürlich habt ihr Recht. Meine Heimat ist ein furchtbares Nest, in dem man sich vor Rechtsradikalen nicht retten kann. Natürlich, ist es prima, dass ihr, endlich volljährig, euch mal so richtig volllaufen lassen könnt. Macht es doch am besten gleich vor mir. Und erzählt mir dann ganz peinliche Sachen,die ich besser nicht wissen sollte. Natürlich. Ach schade, mein Bier ist alle. Ich muss mich aus dem Staub machen. Besser jetzt als später. Das wird mir sonst zu peinlich hier. Zurück zur Bahnhaltestelle, zum Zug, zu meinem Fahrrad, nach Hause. Und da der Abends so schon so schön war, gibt es noch ein Schmankerl oben drauf. Denn nachts halb zwölf sind so einige Gestalten unterwegs in der Großstadt. Und der eine hält einem wieder Hunde ins Gesicht, um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, andere spucken einen einfach gelassen an. Mitten auf die neuen Schuhe, als wäre es das Normalste auf der Welt und ein ganz schlichtes Recht. Und wenn ich den jetzt anhalloe und ihn darauf aufmerksam mache, dass er mich getroffen hat, zieht er gleich nochmal eine ganze Ladung die Nase hoch. Nö. Ehrlich, das war einfacher, als ich noch nicht nett war.
Der Titel ist gemopst bei Michael Ende
24 Januar 2012
13 Januar 2012
Es wird etwas geschehen
Das Jahr ging wie jedes Jahr am Ende auch wieder zu Ende. Dieses Mal, mit Pauken und Trompeten. Es soll ja das letzte Mal sein. Nächstes Mal haben wir dann nicht mal mehr Weihnachten. An Silvester, gar nicht erst zu denken. Deswegen: Was hab ich in meinen letzten Weihnachtstagen so gemacht? Grundsätzlich langweiliges Zeug: Im Zug gesessen, juristisches Blah blah gelesen, Apfelsinen gegessen, Pflichtbesuche abgehakt. Was man halt so macht. Aber ich habe auch noch etwas Neues ausprobiert. Gelockt haben gut klingende Versprechen von „das wird großartig“ zu „das wird deine neue Tradition“. Wobei Letztere ja sinnlos ist, zur Tradition kann es ja nicht mehr werden. Dennoch, ich hab mich überreden lassen. Ja, ich probiere das mit der Feuerzangenbowle mal. Muss ja was für sich haben, wenn die Hörsäle einmal im Jahr vollgefüllt sind, man Heinz Rühmann mittels Beamer über die Wand flackern sieht und alle ihre Becher im Zwanzigminutentakt auffüllen. Also geb ich mich vollen Vertrauens in deine Hände und mache die Prozedur von Anfang bis Ende mit. Der Anfang findet im Supermarkt statt. Die Aufgabe scheint leicht. Finde einen Rum mit 54 % Alkohol und einen Zuckerhut. Zuckerhüte aber liegen nicht besonders viele rum. Eigentlich nur einer. Der ist winzigklein und weiß und nicht bio und nicht fair trade. Es folgt, was folgen muss: ein Gespräch über die Vertretbarkeit, das in das Einkaufswägelchen zu legen. Zehnminutenlange „abers“ von mir und ein: „Es-muss-aber-sein-von“ dir. Gar nicht meine Art, aber ich gebe klein bei. Beim Rum wird’s nicht besser. Kann man das nicht mit was anderem machen? Ich hasse Rum. Der schmeckt so rummig. Wie schlechte Cocktails. Oder Ritter Sport mit Rum und Rosinen. Rosinen mag ich auch nicht. Geht nicht was anderes? Und wieder: Das muss aber sein! Hmpf. Ich hab ja gesagt ich probiere. Dann bitte. Wenigstens die Zitrone ist bio. Die Orangen wieder nicht. Habe also nachher Dünger, Spiritus, Schmierseife und diverse Insektizide in meinem Punsch. Yammi. Man gönnt sich ja sonst nüscht. Schleppen wir das biologisch und ethisch nicht vertretbare Zeugs zu dir. Und trinken erstmal einen ökologisch nicht vertretbaren Kaffee. Und dann geht es los. Wein in den Topf: Bekomm ich hin. Zitrone und Orange schneiden: auch. Feuerzange holen: nicht. Wer so was, wie ich, noch nie in seinem Leben gesehen hat, begibt sich daher jetzt wild im Besteckkasten auf die Suche nach etwas, das wie eine Bratwurstzange aussieht. Denn das heißt ja auch Zange und hat was mit Nahrung zu tun. Findet man aber nicht. Dann geht man im Kopf durch: Was kennt man noch für Zangen? Lochzange. Wasserpumpenzange. Kneifzange. Was haben alle gemein? Ein Zangengelenk. Das heißt, es muss doch was mit einem Gelenk sein und mindestens zwei Bauformen haben. Aber so was liegt hier nicht. Was mir dann in die Hand gedrückt wird, sieht eher wie eine Raspel für sehr, sehr große Kartoffeln aus. Nicht wie eine Zange. Ich mache mir keine Vorwürfe, dass ich darauf nicht gekommen bin. Aber gut legen wir „es“ auf den Topf. Übergießen den Zuckerhut mit Rum, legen den Zuckerhut auf die Zange und zünden ihn an. Tataa. Nüscht. Das versprochene Farbenspiel bleibt aus. Was ist passiert? Hach schau mal, der Rum hat keine 54 % Alkohol. Nur 45%. Komisch, ich schwöre im Laden stand da noch 54%. Das ist natürlich enttäuschend. Zuerst. Dann überlegt man: Moment mal, ich bin Jurist. Ich lass mich nicht besiegen. Und schon gar nicht von physikalischen Gesetzen. Denn allein, also ohne Zucker, da brennt der Rum doch ganz wunderbar. Also ist die Lösung doch ganz einfach. Zucker auf die Zange, Rum anbrennen und dann über den Zucker kippen. Hört sich in der Theorie doch prima an. Gedacht, getan. Rum auf den eh schon eingesautem Teller anbrennen und loskippen. Nur, vom Teller kippen, das ist so ein Ding, das lässt sich nicht so wunderbar steuern. Der Großteil läuft zwar auf den Zucker (und versickert und erstickt dort ganz herrlich) aber ein gutes Drittel landet auch auf dem Herd. Guck mal, der Herd kann brennen. Oh und jetzt fließt das weiter. Arbeitsplatte brennt auch, Teppich auch. Irre. Hier hab ich mein versprochenes Farbenspiel. Blaue Flamme auf schwarzem Herd, weißer Arbeitsplatte und rotem Teppich. Alles lodert. Warum dann um alles in der Welt der Zucker nicht? Das gibt’s doch nicht. Also noch mal mit vereinten Kräften: Erst bestehendes Feuer löschen, dann Neues anzünden. Der Zucker gibt nach. Langsam. Zumindest für Sekunden. Jetzt wiederholen wir das zwanzig Mal, unterbrechen es ein paar Mal für erneute Löschaktionen, und dann ist der Zuckerhut tatsächlich weg. Sichtlich stolz können wir unsere Gläser füllen. Und beim ersten Schluck muss ich leider denken: „Huiiiiii…. Zuckerbombe, Zuckerbombe, Zuckerbombe! Mein Zahnschmelz- ich bekomm sofort Karies! Boahr, ich merk, wie das meine Zähne zersetzt. Und meine Zunge überfordert. Süß, ist das süß. Und dann noch der Rum. Ich geh kaputt. Pass auf, guck nicht gequält, er hat sich solche Mühe gegeben. Und geackert wie ein Tier, damit das klappt. Guck freundlich. Los mach!“ Sagen würd ich das natürlich nicht. Ich sage: „Na, das geht. Trinken kann man es.“ Und das ist wirklich nett gemeint. Aber leider auch völlig gelogen. Keine drei Schlucke und wir beide haben das Gefühl, unsere Magenschleimhaut gibt auf, winkt mit der weißen Fahne und verabschiedet sich. Die Insektizide waren schuld. Ich wette. Siehst du, ich hatte recht. Ein bisschen Leid tuts mir aber doch: so viel Arbeit und dann landet doch alles im Klo. Nun ja, ich bin um eine Erkenntnis reicher: Ich habs mal wieder gewusst. Auf Feuerzangenbowle kann man verzichten und lieber bei dem guten alten Glühwein bleiben. Gefeiert wird diese Erkenntnis einen Tag später an Opas Bar, wo ich mit meinem 12-jährigen Cousin Glühwein um die Wette trinke und wir uns über den Anblick von vom Himmel stürzenden Spaceshuttles freuen können. Das ist ein Farbenspiel, da kann kein brennender Zucker mithalten.
Das war das eine Fest. Das andere ist Silvester. Eigentlich das buntere von beiden. Eigentlich. Für mich noch nie. Denn ich bekomme jedes Jahr das, was man eine Silvestergrippe nennt. Ich war daher schon auf sämtlichen Silvesterfeiern der Witz des Abends, ohne je da gewesen zu sein. Dabei waren diese Grippen nie eingebildet oder gelogen. Aus diesem Grund hatte ich diesmal zu keiner Einladung gesagt: „Ja ich komm gern und bring Nudelsalat mit!“ Nö. Dieses Mal nicht. Dieses Mal bleib ich gleich daheim. Im Fernsehen läuft den ganzen Abend „Friends“, das wär doch was. Und so hatte ich meinen Abend verplant: 12 Uhr erste Magenschmerzen, 13 Uhr Kopf- und Gliederschmerzen, 13.30 Uhr die erste Aspirin. 14 Uhr da erste Mal übergeben. 14:30- 17 Uhr schlafen. Dann Fieber messen, feststellen, dass 38,4 doch irgendwie hoch ist, schwitzen, schwitzen, schwitzen, übergeben, schwitzen, vor dem Fernseher dösen. In dieser Verfassung habe ich schon viele Staffeln Fernsehserien über mich gebracht. Scrubs, Tim Taler, Jack Holborn. Das war so meine geplante Beschäftigung. Um 24 Uhr sollte man mich dann kurz wecken, damit ich ein Auge öffnen kann und sehe, dass das Jahr tatsächlich vorbei ist. Geplante Sachen laufen aber nicht geplant. Vielmehr sitze ich 16 Uhr immer noch mit einem Buch auf der Couch, kann dem noch folgen und frage mich, wo das Fieber bleibt. 18 Uhr bekomme ich Hunger. Was soll ich denn jetzt essen? Ich habe nicht eingekauft, hatte ja fest mit Magen-Darm-Grippe gerechnet. Wer geht denn da einkaufen? Und im Kühlschrank liegt nur Hefe, Ziegenkäse, ein paar Nüsse von Weihnachten und Rosenkohl. Warum eigentlich nicht. Wenn die Magenschmerzen nicht von allein kommen, kann man ja nachhelfen. Rosenkohlpizza mit Nüssen und Ziegenkäse kann man ja mal probieren. Aber selbst dem hält mein Magen stand. Eine halbe Flasche Champagner hinterher. Nichts passiert. Nichts. Vielleicht ist der Bann gebrochen. Ich halte bis 24 Uhr aus, merke, dass ich in eine Gegend gezogen bin, in der nur ein einziger Mann eine einzelne armselige Rakete startet, und geh dann wieder auf die Couch. „Friends“ ist gar nicht so schlecht. Ich glaube ich hol mir in diesem Jahr die ganzen Staffeln, schau ein paar und hebe mir den Rest vorsichtshalber auf. Für nächstes Silvester. Falls die Welt doch nicht untergeht.
Der Titel ist gemopst bei Heinrich Böll
31 Dezember 2011
Rückblick
2011
1. Zugenommen oder abgenommen?
Zugenommen, abgenommen, zugenommen, abgenommen, zugenommen, abgenommen, zugenommen…
2. Haare länger oder kürzer?
Kürzer- ich war beim Friseur!
3. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Müsste weitsichtiger werden aber bis dahin isses n langer Weg
4. Mehr Kohle oder weniger?
Weniger definitiv, sehr viel weniger.
5. Mehr ausgegeben oder weniger?
Weniger, gezwungenermaßen.
6. Mehr bewegt oder weniger?
Sehr viel weniger, auch gezwungenermaßen.
7. Der hirnrissigste Plan?
Ich hab keine hirnrissigen Pläne.
8. Die gefährlichste Unternehmung?
Man mag es nicht glauben, aber spazieren gehen. Dabei können auch schlimme Dinge passieren. Zum Beispiel dass man ein halbes Jahr danach noch an Krücken geht.
9. Die teuerste Anschaffung?
Der Umzug war teuer genug.
10. Das leckerste Essen?
Vieles. Mit Sicherheit gehört dazu eine Kresse-Meerettich-Suppe und Grünspargelaksa.
11. Das beeindruckendste Buch?
Am meisten gefreut und für großartig befunden: Gut gegen Nordwind von Daniel Glattauer (Mein Bücherregal [und ich auch] bedankt sich bei dem Schenker!). Daneben fand ich „Ein fabelhafter Lügner“ von Susann Pásztor noch ziemlich gut und auch Animal Farm (ja sogar auf Englisch).
12. Der ergreifendste Film?
Inception. Vielleicht. Wenn ergreifend das passende Wort dafür ist.
13. Die beste CD?
Es gab nicht viele neue dieses Jahr. Aber am besten davon ist vielleicht, dass ich mich endlich mit den CDs von Rainald Grebe angefreundet hab. Und sogar drüber lachen kann.
14. Das schönste Konzert?
Ich war bei Rainald Grebe, Placebo, den Blond Redheads und 30 seconds to Mars. Sagen wir mal so: In der wobenden Masse bei Placebo, das ist großartig. Und einer von 20 Gästen bei den Blond Redheads zu sein, auch. Alles andere war okay.
15. Die meiste Zeit verbracht mit …?
Schlafen, Essen, Fotografieren, Warten, Bewerben, Hoffen und Bangen, Trübsal blasen.
16. Die schönste Zeit verbracht mit …?
Fotografieren. Immer noch. Immer wieder.
17. Vorherrschendes Gefühl 2010?
Ein Schwanken zwischen „Aus mir wird nie was“ und „Mir gehört die Welt!“
18. 2011 zum ersten Mal getan?
ein Kochbuch gekauft, Haare geglättet, mit der Idee gespielt mir ein Service zuzulegen, ein Kotzbecken gesehen, in einer Bushaltestelle geschlafen, eine Eule auf dem Arm gehalten , sowas wie einen Kometenhagel gesehen
19. 2010 nach langer Zeit wieder getan?
Bilder ausgestellt, umgezogen, Zwieback gegessen, einen Töpfermarkt besucht, selber getöpfert, mich operieren lassen
20. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Sturz im März mit allen Folgen und ein dreieinhalb Stunden Bewerbungsgespräch
21. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Ich kann das. Oder wahlweise: Jeder kann die Welt retten.
22. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Aufstehen zum Sonnenaufgang.
23. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Spring doch mal. (Der ist im Nachhinein so witzig) (Man muss dabei gewesen sein)
24. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Ich kann keine schönen Sätze sagen.
25. 2010 war mit einem Wort …?
NervenaufreibendfüralleBeteiligten
1. Zugenommen oder abgenommen?
Zugenommen, abgenommen, zugenommen, abgenommen, zugenommen, abgenommen, zugenommen…
2. Haare länger oder kürzer?
Kürzer- ich war beim Friseur!
3. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Müsste weitsichtiger werden aber bis dahin isses n langer Weg
4. Mehr Kohle oder weniger?
Weniger definitiv, sehr viel weniger.
5. Mehr ausgegeben oder weniger?
Weniger, gezwungenermaßen.
6. Mehr bewegt oder weniger?
Sehr viel weniger, auch gezwungenermaßen.
7. Der hirnrissigste Plan?
Ich hab keine hirnrissigen Pläne.
8. Die gefährlichste Unternehmung?
Man mag es nicht glauben, aber spazieren gehen. Dabei können auch schlimme Dinge passieren. Zum Beispiel dass man ein halbes Jahr danach noch an Krücken geht.
9. Die teuerste Anschaffung?
Der Umzug war teuer genug.
10. Das leckerste Essen?
Vieles. Mit Sicherheit gehört dazu eine Kresse-Meerettich-Suppe und Grünspargelaksa.
11. Das beeindruckendste Buch?
Am meisten gefreut und für großartig befunden: Gut gegen Nordwind von Daniel Glattauer (Mein Bücherregal [und ich auch] bedankt sich bei dem Schenker!). Daneben fand ich „Ein fabelhafter Lügner“ von Susann Pásztor noch ziemlich gut und auch Animal Farm (ja sogar auf Englisch).
12. Der ergreifendste Film?
Inception. Vielleicht. Wenn ergreifend das passende Wort dafür ist.
13. Die beste CD?
Es gab nicht viele neue dieses Jahr. Aber am besten davon ist vielleicht, dass ich mich endlich mit den CDs von Rainald Grebe angefreundet hab. Und sogar drüber lachen kann.
14. Das schönste Konzert?
Ich war bei Rainald Grebe, Placebo, den Blond Redheads und 30 seconds to Mars. Sagen wir mal so: In der wobenden Masse bei Placebo, das ist großartig. Und einer von 20 Gästen bei den Blond Redheads zu sein, auch. Alles andere war okay.
15. Die meiste Zeit verbracht mit …?
Schlafen, Essen, Fotografieren, Warten, Bewerben, Hoffen und Bangen, Trübsal blasen.
16. Die schönste Zeit verbracht mit …?
Fotografieren. Immer noch. Immer wieder.
17. Vorherrschendes Gefühl 2010?
Ein Schwanken zwischen „Aus mir wird nie was“ und „Mir gehört die Welt!“
18. 2011 zum ersten Mal getan?
ein Kochbuch gekauft, Haare geglättet, mit der Idee gespielt mir ein Service zuzulegen, ein Kotzbecken gesehen, in einer Bushaltestelle geschlafen, eine Eule auf dem Arm gehalten , sowas wie einen Kometenhagel gesehen
19. 2010 nach langer Zeit wieder getan?
Bilder ausgestellt, umgezogen, Zwieback gegessen, einen Töpfermarkt besucht, selber getöpfert, mich operieren lassen
20. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Sturz im März mit allen Folgen und ein dreieinhalb Stunden Bewerbungsgespräch
21. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Ich kann das. Oder wahlweise: Jeder kann die Welt retten.
22. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Aufstehen zum Sonnenaufgang.
23. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Spring doch mal. (Der ist im Nachhinein so witzig) (Man muss dabei gewesen sein)
24. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Ich kann keine schönen Sätze sagen.
25. 2010 war mit einem Wort …?
NervenaufreibendfüralleBeteiligten
12 Dezember 2011
09 Dezember 2011
Der Freund und der Fremde
Mir wird immer mal wieder hinterher gesagt, ich sei sozial nicht besonders aktiv, ich würde Menschen aus dem Weg gehen, wo es nur geht und könnte ich es nicht vermeiden, würde ich mich nicht von der Schokoladenseite präsentieren. Absichtlich. In den letzten Wochen habe ich daher mal etwas anderes ausprobiert. Ich habe Menschen getroffen. Viele und mir bis dahin völlig unbekannte Menschen. Große, kleine, junge, alte, hübsche, ja auch hässliche, ganz besonders kluge und eher normal intelligente, gelangweilte, frustrierte, euphorische, erfolgreiche und zufriedene Menschen. Bemerkenswert waren dabei zwei Treffen: eines mit einer Truppe Fotografen (und mir), ein anderes mit einer Gruppe Juristen (und solchen, die es mal werden wollen). Das möchte ich gern vergleichend nebeneinanderstellen.
Bei einem Treffen mit völlig fremden fotobegeisterten Leuten ist es rundweg normal, das man sich duzt und zur Begrüßung erstmal feste umarmt. Man redet sich mit lustigen Kosenamen an, die man nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Kameras gegeben hat. So ist es eigentlich ein Treffen zwischen den Fotografen: Time, Secret, rollendes Auge, Particula, Froillein, Seleneos und Violess sowie den Kameras: Sonny, Cher, Holger, Spinner, Eva und Minotaurus. Two-face konnte ich noch nicht mitbringen, da dieser noch im Schaufenster steht, aber das nächste Mal ist er dabei.
Bei Juristen ist das anders. Da braucht man erstmal drei Tage Vorlauf, um herauszubekommen, wer geduzt und wer gesiezt werden möchte, was nebenbei bemerkt unheimlich schwierig ist, wenn man die Jüngste in der Runde ist und damit nicht das Recht hat mit dem Duzen anzufangen und wer auf seinen Titel besteht. Manche weisen einen dezent mit einem„..und Sie sind noch mal?“ darauf hin, andere schreiben ganz Kerzengeradeaus, das sie auf das Honorativum bestehen. Nachdem man nachgeschlagen hat, was einem damit gesagt sein soll, ist man bei den nächsten Anreden ganz vorsichtig, siezt und bekommt dennoch einen Anpfiff weg, weil man sich ja anscheinend für was Besseres hält. Die persönliche Begrüßung vor Ort: ein förmliches Händeschütteln. Man redet sich mit „Herr“ und „Frau“ an und wird als Dame bezeichnet.
Mit den Fotografen geht man in ein wundervolles Lokal voller einzelner Stühle, Kinder mit Strickpullis und Eltern mit Zahnlücken. Voller schiefer und gerissener Kacheln an den Wänden, die sofort aufgenommen gehören und zwei Wochen später als Kunst käuflich zu erwerben sind. Voller Flyer, Postkarten und Kunst. Ohne Tapete, Tageskarte und Tischdecken. Ohne zweites Besteck, Gardinen und Servietten.
Mit den Juristen geht man zum besten Italiener. Nicht wieder den vom letzten Mal, denn der war unzumutbar. Allein wenn man das Haus betreten hat, mussten einem sofort die schlecht verlegten Teppichleisten ins Auge springen. Die Weinkarte darüber hinaus war desaströs. Und über die Küche den Mantel des Schweigens zu hüllen, war schon des Lob zu viel. Deswegen dieses Mal ein Anderes. Ein Besseres. Mit reservierten Tischen, da man sonst keinen Platz bekommt. Mit frischen Blumen auf den Tischdecken und schweren roten Vorhängen vor den Fenstern. Mit klassischer Musik zur Untermalung. Mit silbernem Besteck. Und Ledersesseln. Und Glastüren. Und einer großen Auswahl an nicht vegetarischen Gerichten. Hier isst man Vorspeisen. Variationen einer Vorspeise heißt das. Luftgetrocknetes Rinderfilet und Parmaschinken. Kalbfleisch und Thunfischcreme. Dazu den besten Rotwein. Und leider zu wenig Brot. Unmöglich, so wenig Brot anzubieten. Zum Hauptmenü gibt es frisches Lamm, Involtini alla genovese oder Scaloppine al vino bianco. Da man sich sonst nichts gönnt, gibt es auch eine Nachspeise. Die Portionen sind ja immer so klein in so edlen Restaurants. Da muss eine Portion Tiramisu hinterher. Und ein doppelter Espresso, ach was sag ich, ein dreifacher. Und damit der Abend noch lustiger wird: ein Gin Tonic.
Mit den Fotografen isst man, was gerade da ist. Rührei. Dazu ein Kaffee und ein Traubensaft. Wer dann noch Hunger hat, der teilt sich nachher eine Donauwelle, die man sich irgendwo auf der Straße besorgt. Aber zum Essen hat man sich ja auch nicht getroffen. Man will quatschen, quasseln, faseln, geigeln, schwafeln, knipsen, lästern, anmerken, helfen, bewerten, belohnen, übereinander stolpern, Zeit in die Länge ziehen und dann gemeinsam totschlagen, lachen, toben, staunen, sich nicht vergessen, Wellen schlagen, verlaufen und nicht wieder raus finden, rote Fäden stricken, über den Tellerrand und den großen Teich gucken und ganz bestimmt wieder sehen.
Juristen reden. Nein nicht einmal das. Sie diskutieren. Über den konkreten Zeitpunkt der Übereignung einer Serviette zum Beispiel. Über den witzigen Versuch eine Kondiktion zu kondizieren. Das muss man sich mal vorstellen. Über die Frage, ob es ein Treu und Glauben auch im Case Law gibt. Und wenn ja, warum das so ist. Oder warum nicht. Über Haakjöringsköd, invitatios, actio libera in causas. Und Eigentum, meins und deins. Und darüber, dass man ziemlich Avantgarde ist. Ungewollt natürlich, aber was kann man dagegen schon tun. Damit ist man gebeutelt. Ein Leben lang. Ein Kreuz, das man zu tragen hat.
Nach dem Essen gehen fotografierende Leute raus. Bei Wind und Wetter. Stolpern über Männer in Schlafsäcken, nehmen ein Bußgeld von 4000 € in Kauf beim Füttern von Möwen (man kann sich ja reinteilen), fragen Darth Vader wies mit den Eroberungszügen so aussieht und laufen ein Stück mit ihm, schauen sich Pampers Babys an, taumeln über die Kirmes und übergeben sich gemeinsam beim „bloß dran denken, man müsste da jetzt rauf“, wischen Rasierschaum von Wänden, fahren schwarz, kaufen ein A.
Was Juristen nach dem Essen machen, kann ich leider nicht beantworten. Um das rauszufinden, hätte ich bleiben müssen. Aber ich hatte die Ausrede schon ausgepackt. Nicht langsam wie man das zu Weihnachten macht, sondern hektisch aufgerissen. Mitten im heiteren Gespräch über Erlaubnistatumstandsirrtümer (meine Güte, mein Word kennt dieses Wortungetüm sogar) ist mir eingefallen, dass ich meinen Zug bekommen muss. Der Letzte heute Abend. Ja leider. Aber das nächste Mal. Ganz sicher. Bestimmt.
Nach dem einen Treffen habe ich den Ruf verrückt, nach dem anderen Treffen, den Ruf militant zu sein. Ich weiß jetzt, was ich werden will, wenn ich mal groß bin. Verrückt.
Der Titel ist geborgt bei Uwe Timm
Bei einem Treffen mit völlig fremden fotobegeisterten Leuten ist es rundweg normal, das man sich duzt und zur Begrüßung erstmal feste umarmt. Man redet sich mit lustigen Kosenamen an, die man nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Kameras gegeben hat. So ist es eigentlich ein Treffen zwischen den Fotografen: Time, Secret, rollendes Auge, Particula, Froillein, Seleneos und Violess sowie den Kameras: Sonny, Cher, Holger, Spinner, Eva und Minotaurus. Two-face konnte ich noch nicht mitbringen, da dieser noch im Schaufenster steht, aber das nächste Mal ist er dabei.
Bei Juristen ist das anders. Da braucht man erstmal drei Tage Vorlauf, um herauszubekommen, wer geduzt und wer gesiezt werden möchte, was nebenbei bemerkt unheimlich schwierig ist, wenn man die Jüngste in der Runde ist und damit nicht das Recht hat mit dem Duzen anzufangen und wer auf seinen Titel besteht. Manche weisen einen dezent mit einem„..und Sie sind noch mal?“ darauf hin, andere schreiben ganz Kerzengeradeaus, das sie auf das Honorativum bestehen. Nachdem man nachgeschlagen hat, was einem damit gesagt sein soll, ist man bei den nächsten Anreden ganz vorsichtig, siezt und bekommt dennoch einen Anpfiff weg, weil man sich ja anscheinend für was Besseres hält. Die persönliche Begrüßung vor Ort: ein förmliches Händeschütteln. Man redet sich mit „Herr“ und „Frau“ an und wird als Dame bezeichnet.
Mit den Fotografen geht man in ein wundervolles Lokal voller einzelner Stühle, Kinder mit Strickpullis und Eltern mit Zahnlücken. Voller schiefer und gerissener Kacheln an den Wänden, die sofort aufgenommen gehören und zwei Wochen später als Kunst käuflich zu erwerben sind. Voller Flyer, Postkarten und Kunst. Ohne Tapete, Tageskarte und Tischdecken. Ohne zweites Besteck, Gardinen und Servietten.
Mit den Juristen geht man zum besten Italiener. Nicht wieder den vom letzten Mal, denn der war unzumutbar. Allein wenn man das Haus betreten hat, mussten einem sofort die schlecht verlegten Teppichleisten ins Auge springen. Die Weinkarte darüber hinaus war desaströs. Und über die Küche den Mantel des Schweigens zu hüllen, war schon des Lob zu viel. Deswegen dieses Mal ein Anderes. Ein Besseres. Mit reservierten Tischen, da man sonst keinen Platz bekommt. Mit frischen Blumen auf den Tischdecken und schweren roten Vorhängen vor den Fenstern. Mit klassischer Musik zur Untermalung. Mit silbernem Besteck. Und Ledersesseln. Und Glastüren. Und einer großen Auswahl an nicht vegetarischen Gerichten. Hier isst man Vorspeisen. Variationen einer Vorspeise heißt das. Luftgetrocknetes Rinderfilet und Parmaschinken. Kalbfleisch und Thunfischcreme. Dazu den besten Rotwein. Und leider zu wenig Brot. Unmöglich, so wenig Brot anzubieten. Zum Hauptmenü gibt es frisches Lamm, Involtini alla genovese oder Scaloppine al vino bianco. Da man sich sonst nichts gönnt, gibt es auch eine Nachspeise. Die Portionen sind ja immer so klein in so edlen Restaurants. Da muss eine Portion Tiramisu hinterher. Und ein doppelter Espresso, ach was sag ich, ein dreifacher. Und damit der Abend noch lustiger wird: ein Gin Tonic.
Mit den Fotografen isst man, was gerade da ist. Rührei. Dazu ein Kaffee und ein Traubensaft. Wer dann noch Hunger hat, der teilt sich nachher eine Donauwelle, die man sich irgendwo auf der Straße besorgt. Aber zum Essen hat man sich ja auch nicht getroffen. Man will quatschen, quasseln, faseln, geigeln, schwafeln, knipsen, lästern, anmerken, helfen, bewerten, belohnen, übereinander stolpern, Zeit in die Länge ziehen und dann gemeinsam totschlagen, lachen, toben, staunen, sich nicht vergessen, Wellen schlagen, verlaufen und nicht wieder raus finden, rote Fäden stricken, über den Tellerrand und den großen Teich gucken und ganz bestimmt wieder sehen.
Juristen reden. Nein nicht einmal das. Sie diskutieren. Über den konkreten Zeitpunkt der Übereignung einer Serviette zum Beispiel. Über den witzigen Versuch eine Kondiktion zu kondizieren. Das muss man sich mal vorstellen. Über die Frage, ob es ein Treu und Glauben auch im Case Law gibt. Und wenn ja, warum das so ist. Oder warum nicht. Über Haakjöringsköd, invitatios, actio libera in causas. Und Eigentum, meins und deins. Und darüber, dass man ziemlich Avantgarde ist. Ungewollt natürlich, aber was kann man dagegen schon tun. Damit ist man gebeutelt. Ein Leben lang. Ein Kreuz, das man zu tragen hat.
Nach dem Essen gehen fotografierende Leute raus. Bei Wind und Wetter. Stolpern über Männer in Schlafsäcken, nehmen ein Bußgeld von 4000 € in Kauf beim Füttern von Möwen (man kann sich ja reinteilen), fragen Darth Vader wies mit den Eroberungszügen so aussieht und laufen ein Stück mit ihm, schauen sich Pampers Babys an, taumeln über die Kirmes und übergeben sich gemeinsam beim „bloß dran denken, man müsste da jetzt rauf“, wischen Rasierschaum von Wänden, fahren schwarz, kaufen ein A.
Was Juristen nach dem Essen machen, kann ich leider nicht beantworten. Um das rauszufinden, hätte ich bleiben müssen. Aber ich hatte die Ausrede schon ausgepackt. Nicht langsam wie man das zu Weihnachten macht, sondern hektisch aufgerissen. Mitten im heiteren Gespräch über Erlaubnistatumstandsirrtümer (meine Güte, mein Word kennt dieses Wortungetüm sogar) ist mir eingefallen, dass ich meinen Zug bekommen muss. Der Letzte heute Abend. Ja leider. Aber das nächste Mal. Ganz sicher. Bestimmt.
Nach dem einen Treffen habe ich den Ruf verrückt, nach dem anderen Treffen, den Ruf militant zu sein. Ich weiß jetzt, was ich werden will, wenn ich mal groß bin. Verrückt.
Der Titel ist geborgt bei Uwe Timm



